Die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung 1933-1945
Ereignisse in Stuttgart sind durch Kursivschrift hervorgehoben
1933
Blick vom Hotel Adlon in Berlin auf den Fackelzug durchs Brandenburger Tor am 30. Januar 1933
JANUAR
30. Januar
Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler: »Machtergreifung« der Nationalsozialisten
FEBRUAR
28. Februar
Verordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg »zum Schutz von Volk und Staat« als Folge des Reichstagsbrandes setzt Grundrechte außer Kraft
MÄRZ
23. März
»Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Staat« (»Ermächtigungsgesetz«): Parlament verliert Gesetzgebungsrecht, das auf die Regierung Hitler übergeht
APRIL
Aufhebung der Zulassung von jüdischen Anwälten und Ärzten (Ausnahmeregelung für jüdische Frontkämpfer)
Ausschluss jüdischer Lehrer aus Lehrervereinen
Numerus Clausus für Schulen und Hochschulen: Zahl der jüdischen Schüler und Studenten auf 1,5 Prozent der Gesamtzahl beschränkt
Anwendung des »Arierparagraphen« in vielen Sport- und anderen Vereinen
Verbot des Schlachtens nach jüdischem Ritus
Entlassung nicht-arischer Kommunalbeschäftigter und wissenschaftlichen Personals der Technischen Hochschule Stuttgart
Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 in Hamburg
1. April
Boykott jüdischer Geschäfte, Praxen und Kanzleien durch die SA (Sturm-Abteilung der NSDAP); in Stuttgart werden die Kaufhäuser Kadep, Schocken und Tietz blockiert
7. April
»Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« (»Arierparagraph«): Ausschaltung unter anderem aller nicht-arischen Beamten; als Arier gelten nach der »Rasselehre« der Nationalsozialisten die Deutschen und wenige andere (nord-)europäische Völker; Nicht-Arier, vor allem Juden und Slawen werden als minderwertig eingestuft (Ausnahmeregelung für jüdische Frontkämpfer); am 4. Mai Erweiterung auf Angestellte und Arbeiter im Öffentlichen Dienst; Politische Säuberung der Stuttgarter Stadtverwaltung
Studenten verladen Bücher zur Verbrennung vor der Berliner Staatsoper am 10. Mai 1933
MAI
7. Mai
Wehrmacht kündigt jüdischen Mitarbeitern
10. Mai
Bücherverbrennungen durch die »Deutsche Studentenschaft«
JULI
14. Juli
»Gesetz über Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit« (wendet sich vor allem gegen Juden aus Osteuropa)
20. Juli
Verschärfung des »Arierparagraphen«: Auch jüdische Frontkämpfer sind fortan einbezogen
23. Juli
»Arierparagraph« wird im »Reichsverband Deutscher Schriftsteller« eingeführt
26. Juli
Auswanderung der Juden offiziell erwünscht; mit der Einführung der »Reichsfluchtsteuer« beginnt die Ausplünderung der Auswanderer
»Kauft Deutsche Ware nur in Deutschen Geschäften« – Plakat des »Kampfbunds des gewerblichen Mittelstandes« mit der Aufforderung, jüdische Geschäfte zu boykottieren«
AUGUST
17. August
Arischer Ehepartner für Beamte erforderlich
In zahlreichen Orten ist für Juden der Besuch von öffentlichen Bädern und Stränden verboten
SEPTEMBER
22. September
»Reichskulturkammergesetz«: Ausschluss von Juden aus den neu geschaffenen Kulturausschüssen; faktisches Berufsverbot für alle jüdischen Künstler und Journalisten
29. September
»Reichserbhofgesetz«: Nur Arier dürfen bäuerliche Höfe bewirtschaften
NOVEMBER
7. November
Übernahme des »Arierparagraphen« durch die Deutsche Reichsbahn
13. November
Verbot der Tätigkeit als Schöffe oder Geschworener
1934
FEBRUAR
28. Februar
»Arierparagraph« wird auf alle Angehörige der Wehrmacht ausgedehnt
MÄRZ
5. März
Verbot der Lieferung von Literatur an jüdische Geschäfte
Auftrittsverbot für jüdische Schauspieler auf deutschen Bühnen
MAI
18. Mai
Senkung des Freibetrags der Reichsfluchtsteuer von 200 000 auf 50 000 Reichsmark
JUNI
23. Juni
Auswanderer können nur noch 2000 Reichsmark (statt wie bisher 10 000 Reichsmark) in ausländische Devisen umtauschen
DEZEMBER
8. Dezember
Nicht-Arier werden zur Apothekerprüfung nicht mehr zugelassenn
13. Dezember
Habilitationsmöglichkeit an Universitäten nur noch für Arier
1935
Schilder mit »Juden unerwünscht« in immer mehr Restaurants und Läden
FEBRUAR
10. Februar
Verbot jüdischer Versammlungen, die zum Verbleib in Deutschland aufrufen
MÄRZ
»Reichsschrifttumskammer« verbietet jüdischen Schriftstellern jede Art von literarischer Tätigkeit
16. März
Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht; am 25. Juli werden Nicht-Arier vom Wehrdienst ausgeschlossen
»Israels Geheimplan der Völkervernichtung« – antisemitische Hetzschrift von Wilhelm Matthießen, München 1938
APRIL
11. April
Verbot des persönlichen Umgangs von Parteimitgliedern der NSDAP mit Juden
24. April
Zeitungsverleger müssen arische Abstammung bis ins Jahr 1800 nachweisen
MAI–AUGUST
Juden wird der Besuch von Kinos, Schwimmbädern, Kurorten und Erholungseinrichtungen verboten
Die Nürnberger Gesetze, 1935
SEPTEMBER
6. September
Verbot des Straßenverkaufs von jüdischen Zeitungen
11. September
Ausstellung von Pässen für Juden nur mit Geltung für das Inland
15. September
»Nürnberger Gesetze« (»Reichsbürgergesetz«, »Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre«): Reichsbürger sind nur Staatsangehörige »deutschen oder artverwandten Blutes«; Eheschließungen und sexuelle Kontakte zwischen Reichsbürgern und Juden werden verboten; ab jetzt zahlreiche, erzwungene Scheidungen von Mischehen und Heiratsverbote für Mischpartner sowie Inschutzhaftnahme wegen »Rassenschande«
30. September
Suspendierung jüdischer Richter, Staatsanwälte und Beamten
OKTOBER
17. Oktober
Jüdische Kinobesitzer müssen ihre Betriebe zwangsweise verkaufen
30. Oktober
Verbot des Tragens von Künstlernamen
NOVEMBER
14. November
Aberkennung des Wahlrechts und der Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden
Entlassung aller noch im Dienst stehender jüdischen Beamten
1936
»Wenn Du dieses Zeichen siehst...« – nationalsozialistische Flugschrift
JANUAR
Erste Strafurteile wegen »Rassenschande«
Zutrittsverbot zu städtischen Altersheimen, Kindergärten und Freibädern
Trennung in Krankenhäusern zwischen jüdischen und arischen Patienten
Verbot für jüdische Geschäftsleute, an Märkten und Messen teilzunehmen
1. Januar
Rassentrennung in den Volksschulen eingeführt
FEBRUAR
14. Februar
Entlassung jüdischer Honorarprofessoren und Dozenten
Schild mit der Aufschrift »Juden sind in unsern deutschen Wäldern nicht erwünscht«
MÄRZ
31. März
Mitglieder des »Bundes Reichsdeutscher Buchhändler« müssen arische Abstammung bis ins Jahr 1800 nachweisen
JUNI
19. Juni
Apothekerkonzession nur an Arier
OKTOBER
4. Oktober
Erlass des Innenministeriums: Taufe zum Christen ändert nichts am Status eines Juden
9. Oktober
Verbot der politischen Betätigung des »Reichsbunds jüdischer Frontkämpfer«
DEZEMBER
21. Dezember
Verbot öffentlicher jüdischer Versammlungen und Veranstaltungen
1937
JANUAR
25. Januar
Juden wird der Viehhandel verboten
FEBRUAR
13. Februar
Juden dürfen keine Notariate mehr übernehmen
MÄRZ
Einrichtung jüdischer Sonderklassen in Berufsschulen
APRIL
10. April
Auflösung verschiedener jüdischer Organisationen und Beschlagnahmung ihres Vermögens
Postkarte zur Ausstellung »Der ewige Jude« in Wien 1938
OKTOBER
21. Oktober
Verhaftung von zurückkehrenden Emigranten (bezeichnet diejenigen, die das Reich nach dem 30. Januar 1933 aus politischen Gründen verlassen haben)
NOVEMBER
4. November
Verbot des »Deutschen Grußes« für Juden im Verkehr mit Justizbehörden
8. November
Reichspropagandaminister Joseph Goebbels eröffnet Wanderausstellung »Der ewige Jude« in München; in kurzer Zeit Tausende von Besuchern
16. November
Auslandspässe für Juden nur im Ausnahmefall (vor allem bei Auswanderung)
DEZEMBER
17. Dezember
Verbot des Hebräisch-Unterrichts an höheren Schulen
1938
Schautafel »Bilder deutscher Rassen 1«, um 1935
JANUAR
1. Januar
Ausschluss von Juden aus dem »Deutschen Roten Kreuz«
5. Januar
Juden wird Namensänderung verboten: »Verschleierungsgefahr«
MÄRZ
18. März
Verbot der Herstellung und des Vertriebs von Waffen und Munition
28. März
Verlust des körperschaftlichen Status für jüdische Gemeinden: Sie gelten nun als Vereine und müssen eine Eintragung ins Vereinsregister erwirken
APRIL
26. April
Anmeldepflicht von Vermögen über 5000 Reichsmark; deutsche Behörden erhalten das Recht, jüdische Vermögen im Interesse der deutschen Wirtschaft »sicherzustellen«
MAI
31. Mai
Juden werden von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen
»Judentum ist organisiertes Verbrechen« – antisemitisches Hetzplakat der Zeitung: »Der Stürmer«, Nürnberg 1937
JUNI
9. Juni
Gasthörerverbot an Hochschulen
15. Juni
»Juni-Aktion«: Verhaftung aller vorbestraften Juden und Einweisung in Konzentrationslager
JULI
6. Juli
Änderung der Gewerbeordnung: Juden wird die Ausübung einer, bis zum 31. Dezember 1938 noch ergänzten, Anzahl von Gewerben untersagt
27. Juli
Umbenennung aller Straßen, die nach Juden benannt sind
SEPTEMBER
27. September
Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte
28. September
Krankenpflege für Juden nur in jüdischen Anstalten
OKTOBER
3. Oktober
Jüdische Veranstaltungen müssen vom Reichspropagandaministerium genehmigt werden
5. Oktober
Kennkarten und Reisepässe werden eingezogen; Neuausstellung nur mit Kennzeichnung »J«
28. Oktober
Ausweisung polnischer Juden
Die brennende Stuttgarter Synagoge in der »Reichspogromnacht«, 9./10. November 1938
NOVEMBER
7. November
Herschel Grynszpan ermordet in Paris den deutschen Botschaftssekretär Ernst vom Rath
9. November
Das Attentat wird für Joseph Goebbels zum willkommenen Anlass für eine schon länger geplante antijüdische Großaktion: die Pogromnacht (»Reichskristallnacht«): 297 Synagogen (darunter auch in Stuttgart) und Tausende von jüdischen Geschäften werden planmäßig zerstört, 91 Juden werden ermordet, Tausende misshandelt und in Konzentrationslager eingeliefert
12. November
Die »Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben« verfügt die Schließung aller noch bestehenden jüdischen Betriebe; zudem müssen die Juden eine »Sühneleistung« von 1 Milliarde Reichsmark bezahlen; ihre erlittenen Schäden müssen diese selbst tragen, die fälligen Versicherungsleistungen werden zu Gunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt
Verbot des Besuchs von Theatern, Kinos, Konzerten und Ausstellungen
15. November
Jüdischen Kindern wird der Besuch deutscher Schulen verboten
28. November
Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Ausgangssperre
Erfassung der jüdischen Wohnungen
29. November
Verbot, Brieftauben zu halten
DEZEMBER
3. Dezember
Einziehung der Führerscheine und Zulassungspapiere
»Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens«: Zwangsveräußerungen jüdischen Eigentums und jüdischer Wertgegenstände
5. Dezember
Senkung der Pensionen ausgeschiedener jüdischer Beamter
31. Dezember
Jüdische Verlage und Buchhandlungen müssen bis zu diesem Stichtag aufgelöst sein
1939
Judenstern
JANUAR
1. Januar
Juden müssen die zusätzlichen Zwangsnamen »Sara« bzw. »Israel« tragen
ab 1. Januar
In den folgenden Tagen Auflösung aller politischen jüdischen Organisationen
17. Januar
Die Zulassungen von jüdischen Zahnärzten, Tierärzten und Apothekern erlöschen
24. Januar
Einrichtung der »Reichszentrale für jüdische Auswanderung«
APRIL
30. April
Gesetzliche Vorbereitung, die Juden in so genannten »Judenhäusern« zusammenzulegen
JULI
4. Juli
Die »Reichsvertretung der Deutschen Juden« wird als »Reichsvereinigung der Juden in Deutschland« als Zwangsverband unter Gestapo-Kontrolle gestellt
Der »Judenladen« in der Stuttgarter Seestraße
SEPTEMBER
1. September
Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen: Beginn des Zweiten Weltkriegs
Ausgangsbeschränkung für Juden: Winter ab 20 Uhr, Sommer ab 21 Uhr
Verhaftung aller männlichen Juden polnischer Abstammung
12. September
Zuweisung von besonderen Lebensmittelgeschäften für Juden; in Stuttgart wird nur ein »Judenladen« (in der Seestraße) eingerichtet
20. September
Abgabe aller Radiogeräte
OKTOBER
12. Oktober
Erste Deportationen aus Österreich in das besetzte Polen
1940
Kind im Warschauer Ghetto, 1941
Kürzung der Essensrationen
Zwangsumsiedelung in überfüllte „Judenwohnungen“
Verbot des Zeitungskaufs
FEBRUAR
12./13. Februar
Erste Deportation von Juden aus dem Reichsgebiet (u. a. aus Stettin) ins besetzte Polen
APRIL
10. April
Entlassungssperre für alle in Konzentrationslagern inhaftierten Juden bis Kriegsende
13. April
Ausschluss von Juden aus privaten Krankenversicherungen
30. April
Einrichtung des ersten bewachten Ghettos im besetzten Polen; weitere Ghettos (u. a. in Warschau) folgen rasch
Das Lager Gurs in Südfrankreich
JULI
19. Juli
Juden werden ihre Telefonanschlüsse gekündigt
OKTOBER
7. Oktober
Trennung in Luftschutzräumen nach Ariern und Juden
22. Oktober
Beginn der »Bürckel-Aktion«: Deportation von badischen, elsässischen, saarländischen und pfälzischen Juden ins Lager Gurs in Südfrankreich
Plakatmotiv zum nationalsozialistischen Hetzfilm »Jud Süß«
NOVEMBER
15. November
Verpflichtung für alle Angehörige der deutschen Polizei, den Hetzfilm »Jud Süß« zu sehen
DEZEMBER
9. Dezember
Kinderbeihilfen nur für arische Kinder
12. Dezember
Deportation sämtlicher jüdischer Geisteskranker in die Anstalt Sayn-Bendorf
1941
Verbot für Krankenhäuser, Juden aufzunehmen
APRIL
26. April
Schließung jüdischer Schulen in der Provinz, Konzentration in Städten
MAI
20. Mai
Auswanderung wird Juden nur noch in Sonderfällen erlaubt
Deutscher Panzer in Minsk, 1941
JUNI
22. Juni
Überfall auf die Sowjetunion: Der Krieg wird von deutscher Seite von Anfang an als weltanschaulicher Vernichtungskrieg geführt: So genannte Einsatzgruppen aus Polizei und SS, die von der Wehrmacht unterstützt werden, begleiten die vorrückenden Truppen und erschießen im Verlauf des Krieges Zehntausende von Menschen, darunter zahlreiche Juden
26. Juni
Juden erhalten keine Zusatzscheine für Seife und Rasierseife mehr
JULI
20. Juli
Juden werden Kriegsschäden nicht erstattet
31. Juli
Reinhard Heydrich wird beauftragt »alle erforderlichen« Vorbereitungen für die »Gesamtlösung der Judenfrage« zu treffen
AUGUST
1. August
Juden wird der Zutritt zu Leihbibliotheken verboten
15. August
SS-Führer Heinrich Himmler gibt nach der Teilnahme an einer Massenexekution die Suche nach einem »humaneren Tötungsverfahren« in Auftrag« – um die deutschen Täter in SS, Polizei und Wehrmacht zu schonen
SEPTEMBER–OKTOBER
Zahllose Juden werden in der Ukraine und Südrussland durch Einsatzgruppen ermordet; u. a. Massenmorde in Kiew: Erschießung von 33 771 Juden in der Schlucht von Babijar durch die »Einsatzgruppe C«
SEPTEMBER
Eingang zum Konzentrationslager von Auschwitz II-Birkenau
2.–5. September
Erste Vergasungsversuche in Auschwitz; ab Dezember 1941 beginnt in Chelmno, ab Frühjahr 1942 dann auch in Belzec, Sobibor und anderen Vernichtungslagern, mit Gaskammern der systematische Massenmord an den europäischen Juden
15. September
Einführung des »Judensterns« für alle Juden vom sechsten Lebensjahr an
18. September
Verbot, den Wohnort ohne polizeiliche Erlaubnis zu verlassen
Einschränkungen bei der Nutzung von Verkehrsmitteln (u. a. Verbot, Schlaf- und Speisewagen zu nutzen)
OKTOBER
Die Schlucht von Babijar, 1941
Mitte OKTOBER
Beginn der systematische Deportationen von Juden aus dem »Altreich«
23. Oktober
Juden wird die Auswanderung verboten
24. Oktober
Schutzhaft für Deutsche mit jüdischen Freunden
31. Oktober
Arbeitsgesetze: Juden (auch Schwerbeschädigte) müssen jede zugewiesene Arbeit annehmen; Trennung von jüdischen und arischen Arbeitern; sozialer Schutzgesetze gelten nicht für jüdische Mitarbeiter
NOVEMBER
13. November
Erfassung von Schreibmaschinen, Fotoapparaten, Fahrrädern und Ferngläsern
Das Sammellager für Juden auf dem Stuttgarter Killesberg
24. November
Einrichtung des Konzentrationslagers Theresienstadt (im besetzten Tschechien), das von den Nationalsozialisten als »Musterlager« verharmlost wird
25. November
Finanzämter behalten das Vermögen bei Deportation ein
27. November
Einrichtung eines Sammellagers für Juden auf dem Stuttgarter Killesberg
DEZEMBER
1. Dezember
Beginn der systematischen Deportationen aus Stuttgart: über 1000 Personen nach Riga in das Arbeitslager »Jungfernhof«
12. Dezember
Benutzungsverbot für Telefonzellen
18. Dezember
Kein Schwerkriegsgeschädigten-Ausweis mehr für Juden
20. Dezember
Rentenzahlungen an Juden werden eingestellt
1942
Versteigerung des Hausrats der Deportierten
Sozialrechtliche Gleichstellung von Juden und Zigeunern
Ablieferung aller elektrischen Haushaltsgeräte
JANUAR
Das Haus der »Wannsee-Konferenz«
1. Januar
Juden müssen alle Pelz- und Wollsachen und Skiausrüstungen abliefern (für die Ostfront)
20. Januar
»Wannsee-Konferenz« über »Endlösung der Judenfrage«: Organisation der Vernichtung der europäischen Juden
FEBRUAR
14. Februar
Auflösung der Auswanderer-Beratungsstellen
15. Februar
Verbot, ein Haustier zu halten
17. Februar
Verbot des Zeitungsbezugs
Wachturm des Konzentrationslagers Majdanek
MÄRZ
Beginn der »Aktion Reinhard«: Ghettos in Polen werden aufgelöst, die Bewohner in den Vernichtungslagern ermordet
13. März
Kennzeichnungspflicht für jüdische Wohnungen
APRIL
24. April
Verbot der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
26. April
Deportation aus Stuttgart: rund 285 Personen nach Iżbica bei Lublin, Ermordung in den Vernichtungslagern Belzec und Lublin-Majdanek, keine Überlebenden
MAI
12. Mai
Verbot für »arische« Friseure, Juden zu bedienen
26. Mai
Verkauf deutscher Volkstrachten nur noch an »Arier«
JUNI
Im Ghetto Theresienstadt
2. Juni
Erste Deportationen aus dem »Altreich« ins Ghetto Theresienstadt
9. Juni
Abgabe aller entbehrlichen Kleidungsstücke
11. Juni
Juden erhalten keine Bezugskarten für Rauchwaren mehr
30. Juni
Schließung sämtlicher jüdischer Schulen
JULI
4. Juli
Beginn der Massenvergasungen in Auschwitz
13. Juli
Deportation aus Stuttgart: rund 40 Personen nach Auschwitz, keine Überlebenden
AUGUST
Ankunft von Juden in Theresienstadt, 1942
22. August
Deportation aus Stuttgart: rund 1100 Personen nach Theresienstadt, ungefähr 50 Überlebende
26. August
Arbeitsverbot für deutsche Hausangestellte bei Juden
SEPTEMBER
1. September
Gesamter Nachlass verstorbener KZ-Häftlinge fällt an das Reich
18. September
Die Versorgung von Juden mit zugeteilten Lebensmitteln wird eingestellt
24. September
Soldaten dürfen keine »arischen« Frauen aus geschiedenen Mischehen heiraten
OKTOBER
Deportation aller im »Altreich« befindlichen jüdischen KZ-Insassen nach Auschwitz
27. Oktober
Nachfolgekonferenz zur »Endlösung«: Zwangstrennung von Mischehen, Sterilisation von »Mischlingen« geplant
1943
Krematorium des Konzentrationslagers Auschwitz II-Birkenau
MÄRZ
Deportation von jüdischen »Straftätern« zur lebenslänglichen Haft nach Auschwitz oder Lublin
1. März
Deportation aus Stuttgart: rund 35 Personen nach Auschwitz, 1 Überlebender
APRIL
17. April
Deportation aus Stuttgart: rund 20 Personen nach Theresienstadt und Auschwitz, 4 Überlebende
19. April
Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto; nur mit Einsatz massiver Gewalt schlagen SS-Einheiten den Widerstand der Bewohner nieder, der teilweise bis in den Herbst hinein anhält
Im Warschauer Ghetto
29. April
Anordnung für Presse, die »Judenfrage« ständig zu behandeln
JUNI
10. Juni
Auflösung der »Reichsvereinigung der Juden in Deutschland«
17. Juni
Deportation aus Stuttgart: rund 15 Personen nach Auschwitz (die meisten werden ermordet) und rund 10 Personen nach Theresienstadt
19. Juni
Joseph Goebbels erklärt Berlin für »judenfrei«
ab AUGUST
Fortsetzung der »Aktion Reinhard«: Auflösung aller Ghettos in Polen und Sowjetunion (bis Dezember); die Bewohner werden in den Vernichtungslagern ermordet
SEPTEMBER
24. September
Deportation aus Stuttgart: 2 Personen nach Auschwitz
1944
JANUAR
11. Januar
Deportation von »Mischehepartnern« aus Stuttgart: rund 80 Personen nach Theresienstadt, ungefähr 60 Überlebende
FEBRUAR
8. Februar
Ausschluss von jüdischen Mischlingen aus der »Deutschen Arbeitsfront«
JULI
20. (oder 24. Juli)
Sowjetische Truppen befreien das zuvor weitgehende evakuierte Vernichtungslager Majdanek
ab SEPTEMBER
Räumung der Konzentrationslager im Osten: Todesmärsche der Häftlinge nach Westen – teilweise bis nach Württemberg; Tausende sterben an Entkräftung oder werden auf dem Marsch von den Begleitmannschaften getötet
NOVEMBER
30. November 1944
Deportation von »Mischehepartnern« in ein Durchgangslager in Bietigheim; teilweise werden sie in ein Lager bei Wolfenbüttel weitertransportiert
1945
FEBRUAR
12. Februar
Deportation von »Mischehepartnern«: rund 160 Personen nach Theresienstadt, fast alle überleben